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Im Schatten des Gracchus

Es ist das Jahr 1811. Die Handlung des historischen Romans spielt im Wien Metternichs, der bereits zwei Jahre Außenminister Österreichs ist. Ein junger Leutnant, befreundet mit Baron Friedrich von Gentz, einem Vertrauten Metternichs, wird von diesem mit einer Recherche betraut, die den Zweck verfolgt, eine aus Frankreich gesteuerte „länder- und generationenübergreifende Revolution“ aufzudecken. Und diese Verschwörung geht auf das Jahr 1795 zurück, als eine Gruppe von Fanatikern der „Gleichheit“ (sog. „messianische Sozialisten“) einen Putsch gegen das „Direktorium“ und die neue Verfassung vorhatten. Diese „Gleichen“ sahen in Direktorium und neuer Verfassung einen Verrat an den eigentlichen Zielen der Revolution des Jahres 1789 sowie der vier Jahre später erlassenen Verfassung.

Gracchus, mit richtigem Namen François Noël Babeuf, ist einer der beiden am 27. Mai 1797 in Vendôme auf der Guillotine Hingerichteten, die im Prolog des Buches erwähnt werden und von der Revolution „gefressene Kinder“ sind. 1811 zieht schließlich der junge Leutnant ins Reich Napoleons – erst nach Straßburg, dann nach Vendôme, wo er Erkundigungen anstellt, und endlich nach Paris, wo er auf den Logenraum der „Gleichen“ und die „Zehn Gebote der höllischen Armee“ stößt. Doch seine Recherchetätigkeit bleibt nicht unentdeckt. Er muß fliehen, wobei ihn sein Weg nach Spanien führt.

Nach einigen Irrungen und Wirrungen kehrt der junge Leutnant wieder wohlbehalten nach Wien zurück und erstattet dort auftragsgemäß Bericht, der so beginnt: „Ich wurde beauftragt zu prüfen, ob Fakten existieren, die eine Verschwörung ‚messianischer Sozialisten‘ mit Ausgangspunkt Paris beweisen.“ Sodann trifft er mit seinem Freund Gentz zusammen und tauscht sich mit ihm aus, indem er von all seinen Erfahrungen im Ausland erzählt. Dem Leser wird am Ende des Werkes der gesamte Abschlußbericht nicht vorenthalten.

In einem interessanten Epilog wird der rote Faden der Konspiration bis in die Gegenwart gesponnen. Hierbei seien nur die Säulenheiligen des Kommunismus sowie die Väter der „Frankfurter Schule“ erwähnt. Insofern hat der historische Roman durchaus eine aktuelle Komponente und zeigt Zusammenhänge auf, die sich über mehr als zwei Jahrhunderte erstrecken. Noch heute wird mit dem Vokabel „Gleichheit“ in verschiedenen Bereichen Politik gemacht, wobei nicht selten sinistre Absichten dahinterstecken.

Das vorliegende Werk ist eine gelungene Mischung aus der Darstellung einer historischen Materie, die – es handelt sich ja um einen Roman! – mit fiktiven Ereignissen verbunden wird und Bezüge zur Gegenwart aufweist. Nicht nur für Geschichtsinteressierte empfehlenswert!

Peter Stockner

S. Coell: Im Schatten des Gracchus - Historischer Roman. 244 Seiten, € 24,90. Edition "Zur Zeit", Band 21, Wien 2015 

http://www.buecherquelle.at/Im-Schatten-des-Gracchus::4824.html

 

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